Wenn's rattert: Rein mit dem Wein in die Flasche
Main-Echo Pressespiegel

Wenn's rattert: Rein mit dem Wein in die Flasche

Maschinenring Untermain: Wie die Abfüllmaschine funktioniert - Arbeit im Weingut Löwenstein in Kleinheubach - 390.000 Liter pro Jahr
Kleinheubach/Schöllkrippen  Da rat­tert's. In ei­ner Hal­le des Wein­guts Fürst Löw­en­stein in Klein­heu­bach steht die Ab­füll­ma­schi­ne des Ma­schi­nen­rings Un­ter­main mit Sitz in Sc­höllkrip­pen. Drei Leu­te ar­bei­ten an ihr. Mit der rund 200.000-Eu­ro-Ma­schi­ne wird Wein ab­ge­füllt. Fla­sche für Fla­sche.

Abfüll- und Etikettiergemeinschaft Untermain heißt die Organisation, zu der sich 20 Betriebe, also 20 Winzer, unter dem Dach des Maschinenrings Untermain im Dezember 2007 zusammengeschlossen haben. Schwerpunkte ist der bayerische Untermain, im Einsatz ist die Maschine von Gerlachsheim bei Tauberbischofsheim über Dertingen bei Wertheim bis nach Alzenau, weiß Stefan Meisenzahl.

Der Winzer aus Bürgstadt überwacht die Abfüllmaschine. Sie ist so gebaut, dass ein Laster sie als Anhänger transportieren kann. 6,2 Tonnen ist das Gerät schwer. 2,40 breit, sechs Meter lang, 3,20 Meter hoch.

Wichtig an der Maschine, so Meisenzahl, ist der Sterilisator. Er sorgt dafür, dass die Weinflaschen vor dem Befüllen mit sterilem Wasser ausgespült werden. Aufgesetzt werden die Flaschen auf ein Förderband, das sie unter den Füller fährt, wo der edle Tropfen eingeschenkt wird. Dann kommt der Verschluss auf die Flasche - ein Korken oder ein Schraubverschluss. Beides mit der Maschine machbar. Auf der anderen Seite der Abfüllmaschine werden die Flaschen entnommen und in Boxen gesetzt. Fertig.

Und da brummt's. Pro Minute kann das Gerät mit Menschenhilfe zwischen 25 und 35 Flaschen befüllen, so Winzer Meisenzahl - je nach Größe und Form der Flasche (beispielsweise Boxbeutel oder Ein-Liter-Flasche). Pro Stunde, sagt der Fachmann, können zwischen 1500 und 1900 Liter Wein in Flaschen abgefüllt werden. An einem Arbeitstag schaffen die Abfüller 8000 bis 9000 Liter.Meisenzahl sagt, die Abfüllmaschine sei pro Jahr zwischen 60 und 70 Tagen im Einsatz und füllt zirka 450.000 Flaschen. 390.000 Liter Wein. Dafür geht's von Weingut zu Weingut.

»Das A und O beim Abfüllen ist die Sauberkeit«, so Winzer und Maschinenführer Meisenzahl. »Der Wein muss steril und entkeimt in die Flasche.« Damit es nicht zu einer Nachgärung in der Flasche kommt - etwa bei süßem Wein.

Reinigung und Wartung stehen also regelmäßig an. Die Wartung zum Beispiel nach fünf Fülltagen. Dann werden die Lager der Maschine gefettet.

Der Maschinenführer überwacht regelmäßig den Druck auf der Leitung, durch die der Wein aus dem Keller in die Abfüllmaschine fließt. 0,5 bis 1 bar Druck auf der Weinleitung - so ist's richtig. Im Weingut Fürst Löwenstein ist die Leitung vom Weinkeller bis zur Abfüllmaschine 30 Meter lang. Abgefüllt werden laut Meisenzahl im Jahresverlauf: Bacchus, Müller-Thurgau, Riesling, Silvaner, Spätburgunder, Portugieser. Weiß- und Rotweine von Februar bis Ende April. Juni, Juli an einzelnen Tagen Rotweine. Eventuell November/Dezember Frühfüllung Weißweine.

Zahlen und Fakten zur Abfüllgemeinschaft Untermain hat Michael Schuhmann parat. Er ist Geschäftsführer des Maschinenrings Untermain (Schöllkrippen). Abgefüllte Flaschen: 367.500 im Jahr 2021; 476.430 in 2022; 438.410 in 2023. Nach dem Abfüllen ist die Etikettiermaschine (Wert: 20.000 Euro) an der Reihe. Sie »druckt« auf die Weinflasche die bekannten Infos. 2021 hat sie ihren Job 106.170-mal erledigt. 2022: 150.090. 2023: 177.350.

Zurück zur Abfüllaktion im Weingut Fürst Löwenstein in Kleinheubach. Was braucht es, um die Maschine gescheit bedienen zu können? Stefan Meisenzahl ist 40 Jahre alt und Winzer. Er sagt: »technisches Verständnis«.

»Der Maschinenmeister hat eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe«, betont Maschinenring-Geschäftsführer Schuhmann. (Der Maschinenführer wird auch Maschinenmeister genannt.) Schuhmann überschlägt die Zahlen: Bei rund 450.000 Weinflaschen im Jahr und einem Durchschnittspreis von 10 Euro hat der Abfüllmeister bei seiner Arbeit einen Wert von 4,5 Millionen Euro an edlen Tropfen vom Untermain zu verantworten.

Hintergrund: Maschinenring Untermain

Der Maschinenring Untermain wurde 1971 gegründet. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Untermain ist nach eigenen Angaben eine Selbsthilfeorganisation der Landwirtschaft am bayerischen Untermain. Auf der Internetseite des Rings steht: »Unsere Region im Dreiländereck Bayern, Hessen und Baden-Württemberg hat landschaftlich und landwirtschaftlich so einiges zu bieten: extensive Mutterkuhbetriebe im Spessart und flächenstarke Ackerbauern zählen genauso zu unseren Mitgliedern wie zahlreiche Winzer entlang des Mains.«

Zum Ringgebiet gehören der Landkreis Aschaffenburg, die Stadt Aschaffenburg und der Landkreis Miltenberg.

Hauptaufgaben: • Organisation und Abrechnung von Maschineneinsätzen in der Landwirtschaft; • Betriebs- und Haushaltshilfe; • Beratung und Unterstützung von Mitgliedern; • Einkaufsvorteile; • Organisation von außerlandwirtschaftlichen Zuerwerb für unsere Mitglieder (etwa Winterdienst).

Am bayerischen Untermain sind fast alle Landwirte und viele Winzer Mitglied - etwa 680. Die Mitglieder bewirtschaften 27.700 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Vom Schlepper bis zum Grubber: Der Ring vermittelt Geräte an die Landwirte. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Untermain unterstützt Höfe, wenn beispielsweise der Bauer einen Unfall hatte. Dann werden Helfer geschickt. Internet: www.mr-untermain.de

14.05.2024
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